Arzneitees

HR-Fernsehen, 4. Januar 2012

Die maintower-Sprechstunde: Heil-Tees

„Sie sollen gegen Bronchitis, Magenbeschwerden und Halsentzündung helfen und dabei wirkungsvoller als normale Tees sein. Arzt Klaus Heid aus Frankfurt erklärt, welche Tees wirklich heilen können und ab wann Medikamente erforderlich sind.“

Die wichtigsten Informationen im Überblick

Jede Pflanze, die wir zu uns nehmen, sei es als Lebensmitteln, Genussmittel oder Arzneimittel, hat eine Wirkung auf unseren Körper. Von den Pflanzen, die wir als Arzneimittel verwenden, kennen wir die pharmakologische Wirkung.

Arzneitees – auch Heiltees oder medizinische Tees genannt – unterscheiden sich von normalen Kräutertees, die als Lebensmitteltees angeboten werden, vor allem dadurch, dass sie behördlich zugelassen sind. Der Konsument erkennt das an der Bezeichnung „Arzneitee“ auf der Packung und der Zulassungsnummer.

Die deutschen und europäischen Zulassungsbehörden definieren die Qualität, die Menge der wirksamen Inhaltsstoffe sowie Höchstwerte für Schadstoffe. Auf der Verpackung eines Arzneitees oder in einem Beipackzettel müssen die enthaltenen Pflanzen, die Anwendungsgebiete (Indikationen), die Dosierung und Zubereitung, Gegenanzeigen und Nebenwirkungen angegeben sein.

Arzneitees gibt es als Kombinationstees oder Einzeltees. In Einzeltees ist nur eine Pflanze enthalten. Wer sie anwendet muss sich mit ihrer Wirkung gut auskennen. Kombinationstees bestehen aus mehreren Pflanzen und haben den Vorteil, dass diese Mischungen auch breiter einsetzbar und wirksam sind, z.B. ganz allgemein bei Erkältungen. Am besten lässt man sich in der Apotheke eine individuelle Mischung zusammenstellen.

Arzneitees können eingesetzt werden bei leichten Beschwerden wie Erkältungen, Magen-Darm-Erkrankungen, Blasenentzündungen, bei Nervosität und Schlafstörungen.

Als Faustregel für die Dauer der Anwendung kann gelten:
Man sollte den Arzt aufsuchen, wenn die Beschwerden nach einer Woche nicht besser sind oder in den ersten Tagen der Selbstbehandlung mit Tees sogar zugenommen haben.

Ein wirkungsvolles Anwendungsgebiet ist außerdem die Entschlackung. Wer z. B. eine F.X. Mayr-Kur durchführt, kann mit Arzneitees die Reinigung des Körpers effektiv unterstützen.

Hält man sich an die allgemein empfohlene Dosierung von 3 bis 4 Tassen Tee pro Tag, werden keine Nebenwirkungen auftreten. Sehr aufmerksam bei der Wahl der Tees sollten allerdings Menschen sein, die zu Unverträglichkeiten und Allergien neigen. Jeder Pflanzenbestandteil kann Allergien oder Unverträglichkeitsreaktionen auslösen, die vom Arzt behandelt werden müssen.

Nimmt man homöopathische Medikamente ein, sollte man die Anwendung von Tees mit dem Therapeuten unbedingt absprechen, weil es zu unerwünschten Wechselwirkungen kommen kann.

Zu guter Letzt muss noch eine deutliche Warnung ausgesprochen werden: Vorsicht bei der Anwendung von so genannten Herz-Kreislauf-Tees. Bei unklaren Brustschmerzen sollte auf keinen Fall Zeit vergeudet und Tee getrunken, sondern auf jeden Fall der Arzt aufgesucht werden, damit die Ursache der Beschwerden diagnostiziert und eine den Ursachen entsprechende Therapie eingeleitet werden kann.

SERVICE

Bewährte Heilpflanzen und Indikationen

Erkältungskrankheiten:  Eberraute, Eibisch, Fenchel, Hagebutte, Holunder, Huflattich, Kamille, Lindenblüten, Malve, Pfefferminze, Primel, Spitzwegerich, Süßholz, Thymian, Veilchen
Erschöpfung: Lavendel, Hopfen, Johanniskraut, Passionsblume, Zitronengras
Harnwegserkrankungen: Birke, Brennessel, Goldrute, Schachtelhalm (Zinnkraut)
Hypotonie (niedriger Blutdruck): Rosmarin
Nervosität und Schlafstörungen: Baldrian, Hafer, Hopfen, Johanniskraut, Lavendel, Lindenblüten, Passionsblume, Pfefferminze, Melisse
Verdauungsbeschwerden: Anis, Baldrian, Fenchel, Hafer, Hagebutte, Heidelbeere, Kamille, Kümmel, Löwenzahn, Malve, Mariendistel, Melisse, Pfefferminze, Rosmarin, Süßholz, Wermut

Informieren Sie sich vor der Anwendung über die spezifische Wirkungsweise jeder Pflanze, ihre Zubereitung und Dosierung bei Ihrem Arzt oder Apotheker.

Wer sich ausführlicher mit Heilpflanzen und ihren Wirkungen beschäftigen möchte, dem empfehle ich folgende Bücher:
Apotheker M. Pahlow „Das große Buch der Heilpflanzen“, GU-Verlag
Das Mességué Heilkräuter-Lexikon, Verlag Fritz Molden

Haben Sie weitere Fragen? Dann schreiben Sie mir bitte eine E-Mail an heid(ät)gesund-heid.de